Forensisches Beispiel Fischotter

Fischotter

Wildtiere werden in Gefangenschaftshaltung in der Regel erheblich älter als ihre freilebenden Artgenossen, weil sie den Risikofaktoren wie Prädation, Krankheiten, Jagd oder Verkehr nicht ausgesetzt sind.

Das forensische Modell zeigt einen hochbetagten Fischotter aus einer Gefangenschaftshaltung, der massive Arthrosen an den Gliedmaßen und an der Wirbelsäule aufweist.

Rechte Seite
Linke Seite

Im Gegensatz zu einem freilebenden Fischotter, der in einer  Nacht durchaus 15 – 35 km zurücklegen kann, kann der natürliche Bewegungsanspruch eines Wildtieres in einer Gefangenschaftshaltung bei weitem nicht erfüllt werden. Auch ein großräumig ausgelegtes Gehege beinhaltet massive Einschränkungen, die mit dem frei nutzbaren Raum eines Wildtieres nicht gleich zusetzen sind. Die primär auffälligen Folgen für Zootiere sind stereotype Bewegungsaktivitäten; uns allen bekannt durch aufmerksame Zoobesuche.

Besonders katzenartige und marderartige Säugetiere zeigen immer wieder die gleichen, eintönigen Laufaktivitäten, die in den Anlagen deutlich an den ausgetretenen Laufpfaden – besonders entlang der Gehegebegrenzungen (Zaun, Mauer etc.) – zu erkennen sind.

Diese ständig gleichbleibenden Bewegungsabläufe ohne Ziel und Funktion weisen in fortgeschrittenem Stadium zwanghaften Charakter auf und können ggf. korrigiert werden, sofern das Raumangebot erheblich vergrößert und strukturell verändert wird; nicht selten bleibt ein Erfolg aus, die eingeschliffene Stereotypie ist nicht mehr zu beheben!

Durch die Nutzung der immer selben Laufpfade in den Anlagen sind Wildtiere in Gefangenschaftshaltung nicht in der Lage ihre natürlichen, artspezifischen Bewegungsmöglichkeiten auszunutzen oder einzusetzen. In Verbindung mit dem Alter des Tieres, der Ernährung und den Bewegungseinschränkungen sind Zootiere besonders Arthrose anfällig.

Freilebende Wildtiere haben Zugang zu abwechslungsreicher und artgerechter Nahrung, im Falle des Fischotters also Fische, Krebse, Säugetiere und auch Vögel, wobei Finden und Fangen der Beute oft zeitaufwändig und Energie zehrend ist. Nicht jede Jagd ist erfolgreich, sodass die Energiezufuhr sehr unterschiedlich ausfallen kann und Hungertage keine Seltenheit sind. Für freilebende Fischotter ist eine durch Überangebot an Beute bedingte Verfettung eher unwahrscheinlich.
Nicht selten stellt sich die Situation bei Fischottern in Gehege-Haltung anders dar. Insbesondere, wenn die Gehege zu klein und zu wenig strukturiert sind. Durch eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten und deutlich reduziertes Erkundungsverhalten ist der Energieverbrauch deutlich niedriger als bei freilebenden Fischottern, die sich ihre Nahrung (Beute) mehr oder weniger hart erarbeiten müssen; Fastentage sind bei diesen unvermeidlich.
Dazu kommt häufig eine regelmäßige Fütterung mit energiereicher, oft einseitiger und proteinreicher Nahrung. Fütterung und der Verzehr des Futters kann der Höhepunkt im ansonsten monotonen Tagesablauf sein. Längere Zeitabstände zwischen den Fütterungen oder Hungertage sind eher die Ausnahme.
Ein Überangebot an Energie über das Futter und mangelnde Bewegung(smöglichkeit) führen zwangsläufig zu übermäßiger Bildung von Depotfett, zu einem körpereigenen Fettkuchen, der dem natürlichen Bewegungsdrang entgegenwirkt und bei unsachgemäßer Haltung bis zu einem Drittel des Körpergewichtes ausmachen kann. Dies zwingt die betroffenen Tiere zu längeren Ruhephasen mit deutlich verringerter Bewegungsaktivität mit der Folge, dass das körpereigene Fettdepot weiter an Masse zunimmt. Allein hierdurch kommt es zu unphysiologischer Belastung der Gelenke. Wenn durch einen gestörten Stoffwechsel die ausreichende Bildung von Synovialflüssigkeit nicht mehr gesichert ist, kommt es zur Mangelversorgung des Gelenkknorpels, welcher degeneriert und seine Funktion als Gleitfläche und Stoß dämpfendes Medium verliert.
Mechanische Belastung von Gelenken durch Übergewicht sowie unzureichend trainierte Muskulatur (Bewegungsmangel!) haben Auswirkungen auf das Funktionieren der Gelenkkapsel als Lieferant der Synovialfüssigkeit, die unabdingbar ist für die Ernährung des Gelenkknorpels und als Gleitmittel für einwandfreie Gelenkfunktion.
Um es abzukürzen: Durch welche Ursache auch immer stark geschädigter Gelenkknorpel degeneriert, das betreffende Gelenk wird arthrotisch (Arthrossis= „auf nicht entzündliche Ursachen beruhende Verschleiß- und Aufbrauchkrankheit der Gelenkknorpel“). Die Degeneration der Gelenkknorpel führen zu verschiedenen Reaktionen des beteiligten Knochengewebes (Exostosen ggf. Ankylosen u. ä.), die für das betreffende Tier durchweg mit Schmerzen verbunden sind, weshalb die Bewegungsaktivität deutlich vermindert ist.

Im vorliegenden Fall eines hochbetagten, deutlich übergewichtigen Fischotters kamen neben den haltungsbedingten Gelenkveränderungen noch altersbedingte hinzu.

Linksseitig Lendenwirbel  Vertebrae lumbales

Rechtsseitig Kreuzbein Os sacrum   

Knochenwucherungen Exostosen ankranialer und kaudaler Endfläche beider Wirbelkörperdeutlich erkennbar.

Gelenkfläche des Kreuzwirbels Os sacrum kranial geneigt Gelenkfläche erscheint  deutlich erkennbar porös   

Lendenwirbelbereich Vertebrae lumbales mit teilweise knöcherner Zusammenwachsung   (Ankylose) einzelner  Wirbelkörper


Erhebliche Bewegungseinschränkung, Bildbeispiel: Arthrosebildung Vorderhand Marderartiger

Deutlich erkennbare Knochenwucherungen (Osteophyten) im Bereich der Mittelhandknochen  Metacapalia und der Fingerglieder Phalangen 1-3

Kniegelenk Articulatiogenus mit deutlichen Knochenwucherungen (Exostose) im Bereich  der Gelenkverbindung zwischen  Oberschenkel-knochen – Femur, Wadenbein – Fibula,  Schienbein – Tibia sowie der Kniescheibe – Patella

           FeliCITES Team Forensik

Wir danken FeliCites (http://www.felicites-gbr.de) für die fachlichen Ausführungen zu den uns zur Verfügung gestellten Fotos.