Alle Beiträge von Stefanie Huck

Europäische Wildkatze

Vielen ist immer noch nicht bewusst, dass die europäische Wildkatze zu den den Raubtiere zählt, die in unseren Wäldern und Wiesen heimisch war. Natürlich ist sie immer noch selten, schließlich war sie vom Aussterben bedroht, aber die damals verbliebenen Rest-Populationen erholen sich nach und nach. Das bedeutet vor allem, daß die Wildkatzen neue Lebensräume für sich entdecken und sie auch erschließen müssen. 

Inzwischen passiert es durchaus häufiger, daß junge in Not geratene Wildkätzchen aufgefunden und mitgenommen, allerdings in den seltensten Fällen als Wildkätzchen identifiziert werden. Die Verwechslung mit der Hauskatze kann jedoch für ein geschwächtes Wildkätzchen binnen weniger Tage zum Tode führen. Je schneller also reagiert werden kann, um so größer ist eine erfolgreiche Aufzucht und damit auch die zweite Chance auf ein wildkatzengerechtes Leben in unseren Wäldern und Wiesen. Gerne können Sie uns kontaktieren- wir helfen bei der Identifikation!  

In einer Tierklinik wurden im Wald aufgefundene, geschwächte Kätzchen abgegeben, die mit nicht mal drei Wochen sowohl entwurmt, als auch mit einem Flohmittel behandelt wurden, dazu herkömmliches Naßfutter erhalten hatten. Nur per Zufall wurden sie von einem Team-Mitglied aus dem Totfund-Monitoring-Projekt als Wildkätzchen erkannt und es konnte zügig gehandelt werden. Lange Zeit standen sie auf der Kippe, nicht zuletzt, weil die Verabreichung chemischer Produkte zu einem völligen Zusammenbruch des Magen-Darm-Traktes und des Immunsystems geführt hatten. 

In einer Tierarztpraxis wurden zwei geschwächte Wildkatzen-Jungtiere abgegeben. Anstatt die geschwächten Tiere zu stabilisieren wurde als erstes Entwurmt und entfloht. Eines der Kätzchen hat der erste Nacht nicht überlebt.   

Das sind nur zwei Beispiele aus diesem Jahr, es waren jedoch in den vergangenen Jahren weitaus mehr. Und so reihen sich die meist für die Kätzchen schlecht ausgehenden Fälle jedes Jahr aneinander.

Um so mehr möchten wir uns an dieser Stelle bei all denjenigen Bedanken, die uns vorsorglich kontaktiert und um eine Hilfe bei der Identifikation gebeten haben. Lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig! Das hat bereits manch einem Wildkätzchen das Leben gerettet.

Da Wildkatzen, nicht nur wegen ihres Schutzstatus als streng geschützte Art, sondern vor allem wegen ihrer Stressanfälligkeit und Ãœberempfindlichkeit sowohl bei chemischen Substanzen, als auch bei falschen Futter und insgesamt eine besondere Handhabung brauchen, haben wir eine Broschüre zusammen gestellt, die Empfehlungen für die Versorgung junger und ausgewachsener Wildkatzen gibt.

Eine Erstversorgung muß so geartet sein, daß sie JEDER leisten kann, denn die ersten Handgriffe können Leben retten! Neben der zu gestaltenden Grundversorgung liefert die Broschüre kleine Identifikationshilfen für junge und ausgewachsene Wildkatzen, zeigt mögliche Unterbringungen auf und gibt Handreichung zur Stabilisation/Medikation, sowie zum Transport.

Fachinformationen für Tierärzte, TFA´s  und Tierpfleger sind ebenso enthalten, wie Empfehlungen für die Finder und Pfleger von aufgefundenen Wildkatzen, sowie Kontaktadressen, die ihnen in allen Fragen helfen werden.  

Wer Interesse an der Broschüre hat, kann sie gerne über uns beziehen! Die  Broschüre selbst wird kostenfrei gegen einen ausreichend frankierten DIN A 4 Rückumschlag (1,45 Euro Porto)  abgegeben. 

Größere Mengen verschicken wir nur auf Anfrage per Mail.

An dieser Stelle noch ein ganz herzliches Dankeschön an den Lions Club Rhein-Wied e.V., der die Broschüre Dank einer Förderung maßgeblich finanziert hat: 

https://www.lions.de/documents/5404808/5509540/2019-05-21+Generalanzeiger+Kreis+Neuwied+Spenden%C3%BCbergabe.pdf/f914d9e8-6966-366a-7327-5d73f9bf560b?t=1559043602668

 

Wildkatzen-Totfundmonitoring

Die Citizen-Science-Plattform „Bürger schaffen Wissen“  ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wissenschaft im Dialog und dem Museum für Naturkunde Berlin. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). 

Hier können Projekte, an denen Bürger gemeinsam mit Wissenschaftler*innen zu verschiedenen Themen forschen, vorgestellt werden. Wir haben uns mit unserem Projekt beworben und sind jetzt Teil der Citizen Science Plattform!

Unser Projekt findet Ihr hier: 

https://www.buergerschaffenwissen.de/projekt/wildkatze-totfundmonitoring

Wir hoffen damit weitere Bürger erreichen und zum Mitmachen bewegen zu können auch, wenn das Thema an sich ein nicht ganz so erfreuliches ist. Dennoch helfen die Meldungen tot aufgefundener Tiere die Verbreitung der Art besser zu erfassen, Gefahrenquellen zu erkennen und mögliche Schutzmaßnahmen anzuregen.

Die Jungtiersaison ist eröffnet!

Bei uns beginnt die Jungtiersaison mit dem ersten Rotfuchswelpen.

Am 05.03.2019 (auf Rosenmonrtag) wurde die kleine Lissy mitten in der Nacht nach einer Erstversorgung durch eine Kölner Tierklinik aus der Karnevals-Hochburg zu uns gebracht. Der Geburtstermin dürfte in etwa Mitte Februar gewesen sein. 

Lissy ist der „Stadt-Klassiker“: Unverletzt, unterversorgt, aber nicht abgemagert, Einzelfund. Vermutlich hat das Muttertier versucht, die Welpen an einen anderen Ort zu bringen und ist während des Umtragens so gestört worden, daß sie die Kleine ablegen mußte und nicht mehr holen konnte. Dafür spricht sowohl die Unversehrtheit, der Ernährungszustand, als auch die Auskühlung des Welpen.
Lissy hat lange gebraucht, um dieses „Erlebnis“ zu verarbeiten. Durch den unruhigen und ständig unterbrochenen Schlaf konnte sie gleichzeitig nur unregelmäßig und recht kleine Mengen an Aufzuchtmilch aufnehmen.  Inzwischen hat sie das das Gröbste überstanden und wir warten auf Artgenossen, damit sie in der Gesellschaft gleichartiger aufwachsen und später ausgewildert werden kann.

Winterpause

Die Jungtiersaison ist abgeschlossen. Die Jungtiere sind – bis auf zwei Jung-Iltisse – alle ausgewildert. Jetzt beginnt für uns die Zeit, in der wir uns den Aufgaben widmen, die man nur begrenzt in der Öffentlichkeit wahr nimmt.

Im Rahmen unserer eigenen Forschungen fassen wir jetzt die Ergebnisse zusammen. Jeder Patient ist auch immer mit Lernen verbunden. Eine ausführliche Dokumentation hilft uns bei jedem neuen Patienten ein Stück weiter. Wir können deshalb Behandlungszeiträume verkürzen, Behandlungen selbst optimieren, die Zeit des Aufenthaltes besser gestalten und auf ein notwendiges maß reduzieren. Ein wichtiger Punkt vor allem für die Versorgung bereits erwachsener Tiere.

Wir sind wieder verstärkt im Monitoring unterwegs. Es gilt die Auswilderungen zu überwachen, zu prüfen, ob alle draußen auch gut zurecht kommen. Im Rahmen von Ãœberprüfungen von Populationsvorkommen gehen wir wieder auf die Suche nach Waldiltis und Co.

Wir bereiten uns auf die kommende Saison vor. Material und Lager werden gesichtet, Gehege und interne Unterbringungen werden renoviert und optimiert. Es muß frühzeitig geplant werden, welche Tierarten in welcher Anzahl aufgenommen werden können. Dafür heißt es: Bleistift spitzen und rechnen. Das Finanzielle Kontingent muß geprüft und die Budgetplanung muß vorbereitet werden.

Und: wir machen ein wenig Pause.